Artikel aus Heft 52/2002    
   
  Das Grab des Malers Anselm Feuerbach (1829 - 1880) auf dem St. Johannisfriedhof
       
  Anselm Feuerbach - Grab Nr. 715/L6   Obwohl Anseim Feuerbach am 4. Januar 1880 völlig unerwartet in Venedig starb, wurde er acht Tage später nur wenige Meter vom Grabe Albrecht Dürers, des "Malerfürsten", auf dem St. Johannisfriedhof in Nürnberg beigesetzt. Seine Stiefmutter hatte seine Überführung nach Nürnberg veranlaßt, der Stadt, mit der er zeit seines Lebens innerlich sehr verbunden gewesen war und die er sein deutsches Florenz nannte. Die Beerdigung Anselm Feuerbach war mit großem Pomp unter Anteilnahme der Künstlerschaft aus ganz Deutschland erfolgt. Hatte er im Leben durch seinen idealistischen Anspruch am Unverständnis des Kunstpublikums seiner Zeit gelitten, so wurde er nach seinem Tode als Genie betrauert. .
  Professor Heinrich Schwabe, dessen Grab sich auch auf dem St. Johannisfriedhof (Nr. 778) befindet, schuf das Medaillonbildnis Feuerbachs auf einem pultförmigen Aufsatz seines Grabsteins. Am 12.September 1829 als Sohn eines bayerischen Gymnasiallehrers in Speyer geboren, führten seine Wurzeln nach Franken. Der Vater, ein feinsinniger Philologe und Archäologe, und dessen Brüder hatten in Erlangen studiert, die Mutter stammte aus Ansbach. Als sie schon ein halbes Jahr nach seiner Geburt starb, heiratete der Vater die Pfarrerstochter Henriette Heidenreich ausAnsbach, die nur 17 Jahre älter war als ihr Stiefsohn. Sie kümmerte sich zeitlebens um seine Karriere und um den Verkauf seiner Werke, war im brieflichen Gedankenaustausch Seelenfreundin des stets um Anerkennung kämpfenden Malers. Nach dem Studium in Düsseldorf besuchte er Nürnberg, wo auch seine Großmutter wohnte, um nach Dürer'schem Vorbild zu zeichnen, studierte an der Akademie in München, unternahm Reisen nach Antwerpen und Paris und erhielt 1855 ein Stipendium in Rom. Feuerbach verschrieb sich vor allem der Historienmalerei. 1871 verbrachte er einen Sommer in Nürnberg und wollte hier für immer eine Bleibe finden. Da erreichte ihn der Ruf, als Professor und Leiter eines Spezialateliers für Historienmalerei an die Wiener Akademie zu kommen. Doch dort hielt es ihn nicht lange. Er bat seine Mutter, eine Wohnung in Nürnberg zu suchen und verbrachte ab 1876 die Sommermonate regelmäßig in einer Villa an der Rosenau in Nürnberg.
   
  Zwei seiner Hauptwerke sind in Nürnberg wohlbekannt. Das 876 cm breite und 240 cm hohe Wandbild "Kaiser Ludwig erteilt Nürnberger Bürgern Privilegien" nimmt eine ganze Wand im sogenannten Feuerbach-Saal der Industrie- und Handelskammer ein. Nochmehr im Blickpunkt stand Anselm Feuerbachs erstmals 1874 in Wien ausgestelltes, 405 cm mal 693 cm große Lieblingsbild, die "Amazonenschlacht", für das er vorher 254 Figurenstudien angelegt hatte. Seit 1936 befand es sich bis vor kurzem im Foyer des Nürnberger Opernhauses, augenfällig sichtbar für alle dessen Besucher.   Die Amazonenschlacht
  1889 hatte Henriette Feuerbach die "Amazonenschlacht" der Stadt Nürnberg als Geschenk überlassen. Bis 1908 war es in der Neuen Gemäldegalerie im Rathaus ausgestellt, danach bis 1936 in der Städtischen Kunstsammlung im neuerrichteten Künstlerhaus am Königtor. Nach Umgestaltung des Opernfoyers kam es jetzt als Leihgabe der Stadt Nürnberg ins Germanische Nationalmuseum. Henriette Feuerbach hatte anläßlich der Schenkung verfügt, dass Anselm Feuerbachs Lieblingswerk stets in einem Nürnberger Museum verbleiben soll und die Schenkung mit der Auflage verbunden, dass die Stadt dauerhaft für die Pflege des Grabes des Künstlers aufkommen sollte.
Kurt Müller †
   
  Anmerkung der Redaktion: Der verstorbene Autor des Artikels Kurt Müller schrieb die Abhandlung im Jahre 1997. Der Artikel ist heuer im Jahre 2002 sehr aktuell geworden: In der Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums zum Jubiläumsjahr (150 Jahre) "Bürgerliche Kunst und Kultur im. 19. Jahrhundert - vom Vorabend der Französischen Revolution bis zur Epoche der Weltausstellungen" wird das Gemälde Amselm Feuerbachs "Die Amazonenschlacht" (1870-73) gezeigt. Es nimmt dort einen den Raum beherrschenden Platz ein. Das zur gleichen Zeit entstandene Gemälde Feuerbachs "Das Gastmahl des Plato" ist im Original in einem Berliner Museum zu sehen. In der hiesigen Schausammlung ist nur eine bildhafte Ablichtung zu betrachten.
   
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